Großrundfunksender
Osterloog
Ein
spannendes Kapitel Radiogeschichte
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![]() Langsam, aber mit einem unheimlich tönenden Heulen stürzte am 8. November 1997 um 11:07 Uhr, in Osterloog der 133 Meter hohe Sendefunkmast der Küstenfunkstelle Norddeich Radio zu Boden und grub sich fast einen Meter tief in das Erdreich ein. Die Abbruchfirma hatte ganze Arbeit geleistet. Bis zum Jahresende 1997 stellte Norddeich Radio den Betrieb an diesem Standort ein und konzentriert sich ganz auf neue Aufgaben in dem benachbarten Ort Utlandshörn. Das Gelände, die Gebäude und die noch verbliebenen kleineren Masten werden aufgegeben. Mit dem Sturz des mächtigen Turms in Osterloog endete zugleich für immer ein spannendes, ganz eigenständiges Kapitel Radiogeschichte in Ostfriesland, das zwei Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg begann. Der Ursprung führt zurück in
das Jahr 1937, wie der heute in Aurich im Ruhstand
lebende Diplomingenieur Hans-Heinrich de Joung in
einer kleinen Dokumentation zur Geschichte des
einstigen Grossrundfunksenders schreibt. Im
Auftrag des von den Nationalsozialisten
beherrschten Deutschen Reiches erwarb die damalige
Reichspost in Osterloog ein rund 23 Hektar
grosses, wenige hundert Meter vom Nordseedeich
entfernt gelegenes Gelände für den Aufbau einer
gleichnamigen Sendefunkstelle. Ein Jahr später
wurde mit den Bauarbeiten für das Hauptgebäude,
den Quertrakt, das Maschinenhaus und die
Richtstrahlantennen begonnen. Im Sommer 1939 waren
die Arbeiten beendet.
Der Sender hatte eine
Trägerleistung von 100
Kilowatt. Die gebündelte Energie
wurde in eine Richtantennenanlage
eingespeist, die auf Mittelengland
ausgerichtet war und nach Zeitzeugenberichten
von damals in einer
Stärke von 900 Kilowatt dort ankam
(später auch mit Rundstrahlung
betrieben). Die Antennenanlage bestand
laut de Joung anfangs
aus zwei über Koaxialkabel gespeisten
Masten von 150 Metern Höhe sowie aus je vier
120 Meter hohen sogenannten Reflektoren und
Direktoren. Die Sendeeinrichtung war für den
Mittelwellenbereich von 400 bis 1060 Kilohertz
ausgelegt. Die Stromversorgung bestand
aus einer Umspannstation und einer
Netzersatzanlage mit einem Dieselmotor und
Generator.
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Netzersatzanlage mit
einem 960 PS Schiffs -
Dieselaggregat und einem 750 kVA Generator |
Antennen - Abstimmhaus
Im Hintergrund der Kühlturm
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Anfang Oktober 1939 übernahm die
Oberpostdirektion Oldenburg die
Einrichtungen in Osterloog und unterstellte sie
formell der einigen Kilometer
entfernten Küstenfunkstelle (Hauptstelle)
Norddeich-Radio. Unter der Bezeichnung "Studioanlage
der Versuchssendeanlage N" ("N" vermutlich für
Norddeich) begannen am 5. Oktober erste
Probesendungen. Es kann als sicher angenommen
werden, dass die Anlage in Osterloog von
Beginn an im Rahmen der deutschen
Kriegsvorbereitungen errichtet wurde.
Allerdings wurde damals und später auch
behauptet, dass der Sender ursprünglich Werbesendungen
eines in Grossbritannien ansässigen Unternehmens
nach England ausstrahlen sollte.
Die Frage ist, ob diese Vermutung in Wirklichkeit nicht genau so ein Täuschungsmanöver war wie der Sendestart in Osterloog, der am 24. November 1939, rund drei Monate nach Beginn des von Deutscher Seite entfesselten Zweiten Weltkrieges, offiziell erfolgte. Der Sender an der Ostfriesischen Waterkant nahm seinen Betrieb unter dem Namen "Bremen" auf, um dem Gegner den tatsächlichen Standort aus Gründen der Tarnung zu verheimlichen. Nicht einmal die Hörer im unmittelbaren Umland wurden aufgeklärt. Ende Novenber 1939 erschien
im Ostfriesischen Kurier lediglich eine
kurze, verschlüsselte Mitteilung,
in der es hiess,
dass seit dem
24. November ein
"neuer Sender Bremen"
( gemeint war Osterloog) auf der Mittelwelle 395,8 Meter (vorher Kattowitz) zu empfangen sei. Der bisherige Sender Bremen (damals ein Nebensender des sogenannten Reichssenders Hamburg) habe deshalb seinen Namen geändert und sei in "Unterweser" umbenannt worden. Über Art und Inhalt der über den
so bezeichneten Grossrundfunksender Osterloog
ausgestrahlten Programme enthalten die vorhandenen,
sehr verstreuten Quellen leider einige
widersprüchliche Angaben. In einigen ist von
"deutschen Sendungen für ganz Nordwesteuropa", in
anderen von "deutschsprachigen", aber auch von
"ausschliesslich fremdsprachigen" Propaganda-Sendungen
die Rede. Die Wahrheit liegt liegt in der Mitte.
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Der 100 kW Mittelwellensender
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Der Senderraum mit Schaltpult
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Osterloog strahlte seit Herbst 1939 das deutschsprachige Programm des Reichssender Hamburg (ab 1940 das Einheitsprogramm aller deutschen Reichssender) aus - allerdings von Anfang an durchsetzt mit englischsprachigen Propaganda-Beiträgen an die Adresse des Kriegsgegners. Die Sender Hamburg und Köln hatten sie bereits seit März ins Programm aufgenommen. Es handelte sich vorwiegend um Nachrichten und Kommentarsendungen, die allerdings nicht in Hamburg, sondern in Berlin produziert und von dort nach Osterloog übermittelt wurden. Auf jeden Fall war Osterloog
(unter militärischer Bewachung mit
Flakschutz) während der ganzen Kriegszeit auf
England ausgerichtet und dort gut
zu empfangen. Doch auch in Ostfriesland
und angrenzenden Bereichen war der
Grossrundfunksender gut hörbar, im
unmittelbaren Umfeld sogar übermässig.
Ein Norder Ohrenzeuge erinnerte sich später, dass die Feldstärke im Herbst 1939 alle anderen Sender auf den Rundfunkgeräten überdeckte und den Fernempfang nahezu unmöglich machte. Sie veränderte sich lediglich, wenn man an den Einstellknöpfen drehte. Zitat: "Bei uns in Norden reichte die Feldstärke des Senders für einen - wenn auch leisen - Lautsprecherempfang mit einem Detektorempfänger aus. Ich hatte später eine solche Kombination auf meinem Nachttisch stehen und hörte damit abends vor dem Einschlafen noch deutschsprachige und Musiksendungen. Auch der bis 1943 und nach dem Krieg in Osterloog tätige und heute in Kiel lebende frühere Sendetechniker Georg Martens erinnert sich, dass deutschsprachige Sendungen mit eingeblendeten englischsprachigen Propaganda-Beiträgen ausgestrahlt wurden. Aus Tarnungs- und anderen Gründen sei während des Krieges immer wieder die Sendefrequenz gewechselt worden. Man sei zum Beispiel häufig auf die Wellenlängen der fernen Sender Königsberg oder Breslau gegangen. Ausserdem wurde jede Stunde eine sogenannte Tastung eingeblendet, die den von Bombenangriffen aus England zurückkehrenden deutschen Flugzeugen als Orientierungshife diente. Und schliesslich sei Osterloog auch als Störsender gegen die Londoner BBC eingesetzt worden, indem man dieselbe Frequenz benutzte. In Upgant Schott befand sich eine entsprechende Empfangsstation. Ab März 1942 bildete Osterloog zusammen mit den Sendern Hamburg und Langenberg vorübergehend die Norddeutsche Gleichwelle, das heisst, diese drei Sender an unterschiedlichen Standorten strahlten auf der gleichen Welle das gleiche Programm aus, was in Überschneidungsgebieten die Empfangsqualität stark beeinträchtigte. Es bestand zu diesem Zeitpunkt weitgehend aus einem Einheitsprogramm aller deutschen Reichssender - nach dem Willen des Reichspropagandaministers Joseph Göbbels. Daneben gab es auf Langwelle den in Berlin / Königswusterhausen stationierten Deutschlandsender mit einem eigenen Programm. Ausschliesslich für das Ausland bestimmt war der bereits seit Anfang der dreissiger Jahre bestehende Deutsche Kurzwellensender mit vorwiegend fremdsprachigen Programmen. Ferner gab es unter dem Gesamtbegriff "Concordia" sogenannte "schwarze" Geheimsender an verschiedenen Standorten. Sie entfalteten ihre Aktivitäten auf stets wechselnden Wellenlängen und von fahrbaren Sendern aus |
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Dieser fahrbare,
überall einsetzbare Sender der früheren deutschen
Wehrmacht
- seit 1945 im Besitz der Engländer - wurde nach dem Krieg auch zeitweise in Osterloog eingesetzt. Die Anlage bestand aus mehreren Fahrzeugen Die Konzentration des
"Grossdeutschen Rundfunks" auf
deutschsprachige Einheitsprogramme im Inland
hatte unter anderem den Grund, den bei
den einzelnen Reichssendern vorhandenen
Mitarbeiterstab im Laufe des "totalen
Krieges" abzubauen und entweder an die Front zu
schicken oder für den Einsatz in den
schon vor Kriegsbeginn gebildeten
Propagandakompanien der Wehrmacht sowie im
Auslansfunk zu nutzen.
Was wurde den deutschen
Radiohörern im Einheitsprogramm
währed des Krieges geboten? Die tägliche
Zusammensetzung des Wortprogramms richtete sich nach
der Aktualität des Kriegsgeschens. Das heisst:
auf langfristige Programmvorschauen war
praktisch kein Verlass. Das Musikangebot bestand
hauptsächlich aus leichten
Unterhaltungssendungen, volkstümlichen Weisen,
Opern und viel Marschmusik. Durch die
Einblendung von täglich bis
zu sieben fremdsprachigen
Nachrichtensendungen in die
Programme der Reichssender wurde die
Geduld der Hörer ziemlich
strapaziert. Das heisst: Osterloog war
nicht der einzige Sender, der
das deutschsprachige Programm durch fremdsprachige (in
diesem Falle englische) Nachrichtenblöcke unterbrach.
Der Reichssender Frankfurt,
Stuttgart und Saarbrücken brachten am 20. August
1939 zweimal abends auf Mittelwelle Meldungen in
französischer Sprache.
In den folgenden Jahren wurden
die Fremsprachigen Programme über Mittelwelle
(Reichssender) und über den deutschen
Kurzwellensender immer stärker ausgebaut,
teilweise sogar auf Kosten des Inlandfunks. Aus
Gründen der Unterscheidung erhielt der weltweit
ausstrahlende Kurzwellensender ab Anfang 1943 die
Bezeichnung "Die deutschen
Überseesender". Die für die Propaganda
im europäischen Bereich tätigen
Sender trugen bereits seit April
1941 den Namen "Deutsche Europasender". Auch
der Sender "Bremen" (sprich Osterloog) nannte
sich deshalb fortan Europasender.
Beim verstärkten Einflug
englischer und amerikanischer
Bomberverbände in das deutsche Reichsgebiet wurden
den Rundfunksendern - je nach ihrer
geographischen Lage - aus "luftschutztechnischen
Erwägungen" der Wehrmacht sehr häufig längere
Sendepausen verordnet. Manche Strahlungsanlagen
stellten in den Abendstunden und Nachts
ihren Betrieb ganz ein. In einer offiziellen
Ankündigung des Einheitsprogramms des "Grossdeutschen
Rundfunks" hiess es im Juni 1940: "Zuweilen
spricht unser Ortssender in einer fremden
Sprache, in den Abendstunden verstummt er und
verweist uns auf andere Sender die ihre Sendung
fortsetzen; denn aus Gründen der
Reichsverteidigung werden einige Sender mit
Einbruch der Dunkelheit abgeschaltet."
1940 wurde Osterloog um einen
zweiten Sender (genannt "Bremen 2") erweitert, wie
Lilian-Dorette Rimmele in ihrer Dokumentation
"Der Rundfunk in Norddeutschland 1933-1945"
schreibt. Damit wurden offensichtlich die
technischen Möglichkeiten
erheblich erweitert, um die Sendeanlage an der
ostfriesischen Küste aufgrund ihrer Stärke und
Reichweite noch effectiver und variabler im
europäischen Ätherkrieg jener Jahre
einzusetzen. Nach dem Verlust der von Deutschen
besetzten Sender in Holland, Belgien und
Nordfrankreich wurde die Auslandspropaganda ab
Herbst 1944 über Osterloog noch verstärkt.
Erst später wurde bekannt, dass das von
hier in Richtung England ausgestrahlte Programm
zu den wirkungsvollsten Propagandawaffen der deutschen
Seite zählte. Umgekehrt gelang es allerdings auch der
Londoner British Braodcasting Corporation
(BBC), mit ihrem deutschsprachigen Dienst von England
aus immer mehr Hörer in Deutschland
zu erreichen, obwohl das Abhören ausländischer
Sender schon seit Kriegsbeginn verboten war und mit
Zuchthaus oder Konzentrationslager bestraft wurde.
Die über Osterloog (Bremen)
ausgestrahlten englischsprachigen
Nachrichtensendungen, denen häufig ein Kommentar
folgte, wurden laut Rimmele in
Berlin auf Band gesprochen und dann
zur Sendung verschickt. Zu besonderen
Anlässen gab es auch Direktübertragungen. Die
jeweilige Ansage ist vielen Hörern
von damals noch im Ohr: - "Germany
calling! Here are the Reichssender
Hamburg, station Bremen".
Zum "Inbegriff" des deutschen
Ätherkrieges gegen England wurde William Joyce,
ein gebürtiger Amerikaner, der in England
aufgewachsen und der dortigen
Faschistenpartei beigetreten war. Seine
Stimme und sein näselndes Englisch waren
unverwechselbar. Der Londoner Daily
Express bezeichnete seine Sprache als
"haw-haw", und so wurde aus William Joyce
schliesslich der "Lord Haw-Haw", dessen
Beiträge nach vorliegenden Quellen täglich "von
Millionen Engländern" gehört wurden und sogar im
Parlament häufig zur Sprache kamen. In den
ersten Kriegsjahren nutzte Joyce die Unzufriedenheit
vieler Arbeitnehmer mit der Regierung. Der
britische Rundfunk BBC sah
sich sogar veranlasst, einen Ausschuss
einzusetzen, um zu untersuchen, wie "gross die
Gefahr der Sendungen dieses Mannes" sei und
was man dagegen zun könne. Kurz nach dem Kriege wurde
Joyce von den Engländern aufgegriffen und zum Tode
verurteilt.
![]() Der 100kW Telefunken-Sender in der damals üblichen offenen Bauweise Als einige Monate vor Kriegsende
die Rundfunkleitungen zwischen Berlin,
Hamburg und Osterloog immer häufiger unterbrochen
wurden, richteten die verantwortlichen Stellen
in der Verstärkerstelle Apen an der
Bahnlinie Leer-Oldenburg im Herbst 1944
ein provisorisches Studio ein, das
mit dem Näherrücken der Front Anfang April
1945 nach Wilhelmshaven verlegt werden
musste. Von der Jadestadt aus strahlte
Osterloog am 5. Mai 1945 laut
Hans-Heinrich de Joung die letzte "Reichssendung" aus,
danach erhielt die Sendeanlage aus diesem Studio
die Anweisung, den Betrieb um 20:20 Uhr einzustellen
und die Anlage abzuschalten. Ein inzwischen auch
in Osterloog eingerichtetes Studio wurde
nicht mehr eingesetzt. Anfang April hatte das deutsche
Militär sowohl bei den Funkstellen von Norddeich
Radio und Utlandshörn als auch in Osterloog rund 1000
kg Sprengstoff gelagert, um die Stationen
im "Ernstfall" zu vernichten, schreibt der
Norder Heinz Frömming (von 1975 bis 1981
Betriebsleiter bei Norddeich Radio) in
einer Dokumentation. Weil jedoch die
geballte Ladung wegen der ständigen
alliirten Tieffliegerangriffe eine ständige Gefahr für
das Personal bildete, wurde die
Munition auf Drängen der Betriebsleitung in das Lager
Tidofeld transportiert, wo der Sprengstoff nach
Kriegsende durch die Unvorsichtigkeit einiger
Soldaten explodierte.
Als am 6. Mai zunächst Kanadische
und dann britische Truppen in das
Norderland einrückten, wurde auch Osterloog
unverzüglich besetzt. Der Sender
schwieg jedoch nur einen Monat
lang. Am 5. Juni nahm er den Betrieb
wieder auf, allerdings in einer total
veränderten Situation. Mit
nach wie vor 100 Kilowatt
Leistung schickte er jetzt das Programm
des englischen Soldatensenders British
Forces Network (BFN) in den Äther. Für
kurze Zeit erfolgten die Aussendungen zur
Betreuung der britischen Truppen über eine
fahrbare Studioanlage, die Anfang Juni in
Osterloog eintraf. Ab Ende Juli gab es eine
feste Kabelverbindung zwischen den neuen BFN
Studios in der Hamburger Musikhalle und
Osterloog. Allerdings wurde im Verlauf des
Jahres (laut de Joung und H. Brunswig,
Darmstadt) die Richtstrahlanlage bis auf
einen 150 Meter Mast und zwei 120 Meter Masten
abgebaut; die übrigen Masten wurden
abtransportiert und anderweitig verwendet.
Das Gastspiel des Soldatensenders dauerte nicht lange. Am 15. September 1946 stellte der BFN seine Sendungen über Osterloog ein, und noch am gleichen Tag übernahm die Londoner BBC die Gebäude und die technischen Anlagen, um von nun an bis Anfang der fünfziger Jahre von der ostfriesischen Küste aus das BBC-Europa-Programm in mehreren Fremdsprachen auszustrahlen. Darunter befand sich auch der mehrmals täglich gesendete Deutschsprachige Dienst mit einem durchweg objektiven Nachrichtenangebot, Informationen, etwas Musik und dem Sprachkurs "Lernt Englisch im Londoner Rundfunk." Die während der Kriegszeit nach England gerichtete Antennenanlage wurde jetzt in Richtung Balkan abgestimmt. Zugleich wurden Modulations - und Fernsprechleitungen von London über Belgien nach Osterloog geschaltet und, um etwaige Störungen vorzubeugen, eine sogenannte Ballempfangsanlage in Utlandshörn eingerichtet. Das unüberhörbare Pausenzeichen haben viele Hörer von damals heute noch im Ohr. Die Betriebsleitung in Osterloog lag inzwischen wieder in deutschen Händen - unter Aufsicht der Engländer. Janssen erinnert sich auch an ein
Betriebsfest, das damals im
Sendergebäude gefeiert wurde. Auf dem grossen
Flur im Obergeschoss waren
weissgedeckte Tische und Stühle für die
Betriebsangehörigen und ihre Partner
aufgestellt, und auf der frei gebliebenen
Fläche wurde eifrig getanzt. Die Musik
kam von Tonbändern, die der Chef
besorgt oder selber bespielt hatte. Für
die Wiedergabe hatte er sich unter anderem einen
hervorragenden Verstärker und eine
Schallwand mit mehreren
Lautsprechern gebaut. Als Chef
amtierte damals Wilfried Voigt, sein Nachfolger
war Karl Kegel.
Obwohl die Londoner BBC die
Osterlooger Anlage bereits 1948 an
den Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR)
übergab, zogen sich die Vorbereitungen
für die tatsächliche Übernahme durch
den NWDR bis zum
Frühjahr 1950 hin. Die Umstellung erfolgte
in der Nacht zum 15. März, und zwar
nach der Einführung des in Kopenhagen
ausgehandelten Wellenplans auf
europäischer Ebene.
Osterloog vermittelte den Hörern
in Ostfriesland von nun an das in
Hamburg, Köln und Berlin in deutscher Regie
produzierte Radioprogramm, wenn es auch
mit einer Leistung von nur 5
Kilowatt. Dennoch wurde der Empfang des
NWDR auf Mittelwelle in einigen Teilen
Ostfrieslands hörbar verbessert. Wenige
Monate später, am 1. August 1950, wurde in Osterloog
für den NWDR ein erster Kurzwellensender in
Betrieb genommen. Der dann folgende Ausbau des
Kurzwellenbetriebes, an dem auch Janssen
massgeblich beteiligt wurde, war die Basis für
die ab Mai 1953 beginnende Ausstrahlung des
sowohl in deutscher als auch in mehreren
Fremdsprachen zusammengestellten Programms der
neuen "Deutschen Welle" mit Sitz in Köln. Und ab
September 1951 kam - mit Hilfe einer sogenannten
Doppelschlitzantenne auf dem Mittelwellenmast -
das zweite NWDR-Hörfunkprogramm auf
Ultrakurzwelle ("Die Welle der Freude")
hinzu. Parallel dazu kehrte allerdings auch die
Londoner BBC noch einmal zurück und
strahlte mit 100 Kilowatt auf Mittelwelle von
Februar 1952 bis Ende März 1962 ihr
Programm erneut aus. Osterloog war wieder ein
Grossrundfunksender.
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"Telefunken" Rundstrahl Reusen
Antenne für das 41 / 49m Kurzwellenband.
Die Antenne war von 1950 - 1962 in Betrieb |
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Der 20kW
Telefunken-Kurzwellensender. In Betrieb von 1950 -
1963
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Alfred Buck beschreibt die
Kurzwellen-Epoche der fünfziger Jahre in Osterloog
so: "Die Betriebsbedingungen waren damals fast
abenteuerlich, man kann sich das
heute kaum noch vorstellen. Für die
Deutsche Welle wurden im Verlauf von 24
Stunden viermal die Frequenzen und
Antennenrichtungen gewechselt.
Besonders beliebt war die
Umschaltung nachts um 1:30 Uhr bei Regen oder
Schnee. Durch Vereisungen konnten beispielsweise die
Klemmverbindungen dann nur schwer gelöst
werden. Die Antennenschalter waren im Freien
aufgebaut. Überdachungen gab es nicht."
Anfang der sechziger Jahre klang
die Ära des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
in Osterloog aus. Der alte NWDR war inzwischen in
den Norddeutschen (NDR) und Westdeutschen Rundfunk
(WDR) aufgeteilt worden. In Aurich und damit
günstig in der Mitte Ostfrieslands stand
nun ein neuer Sender, der fortan
alle NDR Programme und ab Mai 1961 - zunächst
provisorisch - auch das Fernsehen in
den Äther schickte. Im November 1962
wurde in Osterloog ein 120 Meter hoher
Rohrmast demontiert und nach Hamburg
verfrachtet. Am 6. März 1964 endete die
Programmausstrahlung über Mittelwelle. Der
Kurzwellenbetrieb in Osterloog war ohnehin nur eine
Übergangslösung gewesen. Die "Deutsche
Welle" bekam eine neue Zentrale in Jülich. Ein
Teil der Osterlooger Mannschaft ging nach Aurich,
darunter auch Alfred Buck, ein anderer nach
Jülich.
Zum 1. Juni 1964 erwarb die
Bundespost das Gelände und die Gebäude in Osterloog
vom NDR sowie ein angrenzendes
Grundstück und nutzte den Standort bis
zur Funkstille - als Sendefunkstelle für den
mittlerweile 100 Jahre alten Küstenfunk
Norddeich-Radio. Doch das ist ein anderes
Kapitel.
Nachdem die Küstenfunkstelle Norddeich-Radio im Dezember 1998 geschlossen wurde, stand das Sendergebäude etliche Jahre leer. Im Jahre 2005 wurde es zu einer der Informationseinrichtungen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer umgebaut und im Juni 2006 eröffnet. Die Einrichtung nennt sich „Waloseum", deren Aufgabe darin besteht, die Öffentlichkeit über die Bedeutung des Nationalparks und die Schutzbestimmungen zu informieren. Das Ziel ist es, Menschen durch geführte Naturerlebnisse das Wattenmeer näher zu bringen und sie für seine Schutzwürdigkeit zu sensibilisieren. Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt ist die Information über Meeressäuger im Wattenmeer. Das Äussere des Sendergebäudes blieb unverändert, jedoch alles andere was an eine Großsendeanlage erinnert, existiert nicht mehr. Quelle:
Ostfriesischer Kurier, Norden (Joh. Haddinga)
Fotos: Privatarchiv, Sender Osterloog (B. de Buhr) / Scan: Gerd Krause ![]() Aktuelle Version: 1.9.2 01/2025 Die Beschreibungen 36 Großsender finden Sie auf dem Multimedia USB-Datenträger U.a. Burg, Donebach, Gleiwitz, Goliath, Köpenick, Britz, Königs Wusterhausen, Zeesen, Wien, Mühlacker, Ismaning, Nauen, Osterloog, Wilsdruff (mit Video), Zehlendorf, Leipzig-Wiederau Wertachtal, Felsberg-Berus u. Heusweiler |